Regulatorik
February 17, 2026
Multi-Use-Optimierung mit Verbrauchern und Erzeugern
Wie Unternehmen PV-Eigenverbrauch, Netzentgelte und Spotmarkt intelligent kombinieren
Wie Unternehmen PV-Eigenverbrauch, Netzentgelte und Spotmarkt intelligent kombinieren

Viele Unternehmen setzen Energiemanagementsysteme heute ein, um den Eigenverbrauch ihrer Photovoltaikanlage zu erhöhen oder Lastspitzen zu reduzieren. Was dabei oft ungenutzt bleibt, ist das volle wirtschaftliche Potenzial eines EMS, wenn es nicht nur einen einzelnen Anwendungsfall optimiert, sondern mehrere gleichzeitig. Genau hier setzt die Multi-Use-Optimierung an.
Multi-Use bedeutet, dass beispielsweise ein Batteriespeicher, aber ebenso Wärmeerzeuger, Kälteerzeuger oder Ladeinfrastruktur nicht isoliert für einen Zweck betrieben werden, sondern mehrere wirtschaftliche und regulatorische Anwendungsfälle parallel bedienen. Durch diese intelligente Kombination der Anwendungen lassen sich in der Praxis über 20 % der Energiekosten einsparen. Gleichzeitig kann ein Batteriespeicher dank der verbesserten Nutzung und Flexibilität innerhalb weniger Jahre wirtschaftlich attraktiv amortisiert werden.
Im Folgenden wird erklärt, wie ein klarer Anwendungsfall beispielsweise mit einem Batteriespeicher aussieht und wie wir von cleverwatt Sie unterstützen, Ihre Lasten mit dem EMS intelligent zu steuern und dabei einen signifikanten Kostenvorteil erzielen können.
Bei der Multi-Use-Optimierung werden mehrere Use Cases intelligent miteinander kombiniert:
Das Energiemanagementsystem entscheidet dabei kontinuierlich, wofür die verfügbare Speicherleistung und -energie gerade den größten Nutzen stiftet. Das System priorisiert automatisch nach Wertschöpfung, Netzdienlichkeit und technischen Restriktionen – ohne die betrieblichen Prozesse zu beeinträchtigen. Multi-Use ist damit weniger ein einzelnes Feature als vielmehr eine Betriebslogik.
Die typische Entwicklungslogik sieht so aus:
PV-Profil → Batterie für Eigenverbrauch → Peak Shaving → atypische Netznutzung → zusätzliche Spotmarkt-Optimierung.

Im einfachsten Anwendungsfall wird der Strom aus der PV-Anlage möglichst zeitgleich genutzt oder zwischengespeichert, um Netzbezug zu vermeiden. Überschüsse werden andernfalls zu vergleichsweise geringen Vergütungssätzen eingespeist.
In der dargestellten Abbildung ist zu erkennen, dass das Energiemanagementsystem bereits ohne Speicher die maximale Lastspitze von 974 kW (blaue Linie) auf 956 kW (schwarze Linie) reduzieren kann. Da Netzentgelte bei registrierender Leistungsmessung maßgeblich von der höchsten gemessenen 15-Minuten-Leistung abhängen, führt selbst diese geringe Reduktion bereits zu einer spürbaren Kostensenkung.
Dennoch bleiben in diesem Szenario rund 18 % des erzeugten PV-Stroms ungenutzt und werden ins Netz eingespeist (blaue Einfärbung). Das wirtschaftliche Potenzial ist damit noch nicht ausgeschöpft.

Mit der Integration eines Batteriespeichers steuert das EMS nun nicht nur den Verbrauch, sondern auch gezielt das Laden und Entladen des Speichers.
Überschüssiger PV-Strom wird gespeichert (blaue Balken), statt eingespeist. In Zeiten ohne PV-Erzeugung – etwa in den Abendstunden – stellt der Speicher diese Energie wieder zur Verfügung. In dem dargestellten Beispiel steigt der Eigenverbrauch dadurch von 82 % auf 93 %.

Ein erster echter Multi-Use-Fall ergibt sich durch gleichzeitige Lastspitzenkappung und Erhöhung des PV-Eigenverbrauchs.
Neben dem Arbeitspreis zahlen viele Unternehmen einen Leistungspreis, der sich an der höchsten 15-Minuten-Leistung des Jahres orientiert. Eine einzelne kurze Lastspitze kann damit die Stromkosten eines gesamten Jahres erhöhen (siehe Die 2.500 Benutzungsstunden Regel).
Entscheidend ist dabei die technische Unterscheidung:
Beim Peak Shaving überwacht das EMS den Lastverlauf in Echtzeit und greift ein, bevor eine definierte Schwelle überschritten wird. Der Batteriespeicher wird gezielt entladen oder Lasten werden verschoben.
Im gezeigten Beispiel konnte eine morgendliche Lastspitze zwischen 6:00 und 7:30 Uhr von 712 kW um 244 kW reduziert werden. Der Speicher wird anschließend während der PV-Erzeugung erneut geladen und steht später wieder zur Verfügung. Der Speicher erfüllt damit mehrere Funktionen innerhalb eines Tages.

Die Lastspitzenkappung ist zugleich die Voraussetzung für einen weiteren wirtschaftlichen Hebel: die atypische Netznutzung. Ziel ist es, die Jahreshöchstlast eines Unternehmens außerhalb der vom Netzbetreiber definierten Hochlastzeitfenster zu verlagern.
Diese Hochlastzeitfenster werden jährlich veröffentlicht und liegen je nach Netzgebiet und Jahreszeit typischerweise in den Morgenstunden und Abendstunden. Wird die höchste Last innerhalb dieser Zeitfenster ausreichend reduziert, kann ein deutlich reduziertes individuelles Netzentgelt beantragt werden – laut DIHK unter bestimmten Bedingungen mit Einsparungen von bis zu 80 % (siehe Atypische Netznutzung: So senken Sie Netzentgelte mit § 19 StromNEV).
In der Abbildung ist zu sehen, dass der Speicher vor Beginn des Hochlastzeitfensters gezielt auf 100 % geladen wird. Während des Zeitfensters übernimmt er die Versorgung, sodass die Netzlast auf 608 kW begrenzt bleibt. Die höhere Last außerhalb des Zeitfensters ist für die atypische Netznutzung nicht relevant.
Hier zeigt sich, warum Multi-Use eine Entscheidungslogik benötigt: Der Speicher muss nicht nur Energie speichern, sondern zum richtigen Zeitpunkt ausreichend Leistung bereitstellen.

Mit der zunehmenden Verbreitung dynamischer Stromtarife wird Preisvolatilität zu einem zusätzlichen Optimierungshebel. Der Strompreis orientiert sich dabei am Börsenpreis und kann sich mehrmals täglich ändern. Seit 2025 sind Stromlieferanten verpflichtet, solche Tarife anzubieten.
Das Energiemanagementsystem nutzt diese Preissignale gezielt:
In der Abbildung ist erkennbar, dass der Speicher bei niedrigen Spotpreisen lädt und sowohl in Hochpreisphasen als auch während der Hochlastzeitfenster entlädt. Wichtig ist dabei die Priorisierung: Spotmarkt-Optimierung erfolgt nachrangig, wenn sie nicht mit Peak-Shaving- oder HLZF-Zielen kollidiert.
Multi-Use-Optimierung ist der Schlüssel, um das volle wirtschaftliche Potenzial von PV-Anlage, Batteriespeicher und Energiemanagementsystem auszuschöpfen. Statt den Speicher nur für einen einzelnen Zweck zu nutzen, wird jede Kilowattstunde mehrfach verwertet.
Für Unternehmen bedeutet das:
Flexible Verbraucher und Erzeuger innerhalb Ihres Unternehmens werden damit zum strategischen Baustein der Energieversorgung.
cleverwatt setzt Multi-Use-Optimierung nicht als theoretisches Konzept um, sondern als praxisnahes Betriebsmodell. Von Batteriespeicher über Wärme- und Kälteerzeuger, bis hin zu Ladeinfrastruktur und weiteren Verbrauchertypen. Unser Energiemanagementsystem priorisiert automatisch alle relevanten Anwendungsfälle, berücksichtigt technische und regulatorische Randbedingungen und macht jede Entscheidung transparent.
So sehen Entscheider auf einen Blick, wann welche Anlage wie angesteuert wurde, welches Ziel damit verfolgt wurde und welchen wirtschaftlichen Effekt das hatte – von Lastmanagement über Eigenverbrauchsoptimierung bis hin zur Netzdienlichkeit.
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