IndustriestrompreisJetzt prüfen →
Industrielle Fertigung als Anwendungsbereich der Strompreiskompensation
Regulatorik · Förderung

Strompreis­kompensation 2026: Wer jetzt profitiert und wie sie mit dem Industriestrompreis zusammenspielt

Seit dem Abrechnungsjahr 2025 steht die Strompreiskompensation deutlich mehr Branchen offen. Wer berechtigt ist, kann sie mit dem Industriestrompreis kombinieren – wenn die Strommengen sauber getrennt werden.

Oktober 2026 · 14 Min. Lesezeit · cleverwatt Redaktion

Auf einen Blick

Die Strompreiskompensation erstattet einen Teil der CO₂-Kosten im Strompreis. Seit 2026 kommt der Industriestrompreis hinzu. Beide Instrumente können nebeneinander genutzt werden, aber nie für dieselbe Kilowattstunde.

  1. 0131 statt 11 Branchen: Bisherige Sektoren erhalten nach aktuellem Stand 80 Prozent, neue Sektoren 75 Prozent der modellhaft berechneten CO₂-Kosten.
  2. 02Die Daten entstehen 2026: Messwerte, Managementsystem und Nachweise müssen bereits im Abrechnungsjahr belastbar sein.
  3. 03Kombinieren ja, doppelt fördern nein: Die Zuordnung muss vor den Anträgen 2027 feststehen.

Stellen Sie ein gelistetes Produkt her, können Sie dessen Stromverbrauch messen und verfügen Sie über ISO 50001 oder EMAS?

Einleitung

Ein Drahthersteller mit 15 GWh Jahresverbrauch hat bisher nur den Industriestrompreis eingeplant. Für 2026 rechnet er mit rund 280.800 Euro Basisentlastung. Übersehen hat er: Kaltgezogener Draht zählt seit 2025 zu den Sektoren der Strompreiskompensation.

Lassen sich 11 der 15 GWh messtechnisch sauber der Drahtherstellung zuordnen, kann er für diese Menge SPK beantragen. Die übrigen 4 GWh bleiben beim Industriestrompreis, sofern dessen Bedingungen erfüllt sind. Mit den hier verwendeten, ausdrücklich vorläufigen SPK-Parametern liegt die kombinierte Entlastung bei rund 388.100 Euro.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Informationsstand von Oktober 2026 wieder und ersetzt keine Prüfung im Einzelfall. Für Anträge sind die jeweils aktuellen Vorgaben von DEHSt und BAFA maßgeblich.

Was gleicht die Strompreiskompensation aus?

Kraftwerke zahlen im EU-Emissionshandel für jede Tonne CO₂. Diese Kosten wirken sich auf den Strompreis aus. Weil Wettbewerber außerhalb der EU sie häufig nicht tragen, erstattet die SPK stromintensiven Betrieben einen Teil der indirekten CO₂-Kosten.

Zuständig ist die Deutsche Emissionshandelsstelle. Die aktuelle Richtlinie gilt für die Abrechnungsjahre 2025 bis 2030. Gefördert werden nicht pauschal Standorte oder Unternehmen, sondern Anlagen und die dort hergestellten förderfähigen Produkte.

BegriffGemeint istStand Oktober 2026
SPK für 2025Strom und Produktion 2025, Antrag 2026Frist am 17.08.2026 abgelaufen
SPK für 2026Strom und Produktion 2026, Antrag 2027Frist zwischen 31.05. und 30.09.2027

Was ist neu und was ist für 2026 noch offen?

  • Mehr Branchen: Statt 11 sind nun 31 Branchen sowie einzelne Teilbereiche weiterer Branchen berechtigt.
  • Höhere Sätze: Nach aktuellem Stand erhalten bisherige Sektoren 80 Prozent, neue Sektoren 75 Prozent.
  • Medien aus Industrieparks: Auch Strom für gelieferte Druckluft, Dampf, Wärme, Kälte, Wasser oder Industriegase kann unter Bedingungen einbezogen werden.
  • Übergang für neue Sektoren: Das Energie- oder Umweltmanagementsystem kann unter den Richtlinienvoraussetzungen bis Ende 2027 eingeführt werden.

Offen bleibt die Übertragung der Anfang 2026 geänderten EU-Beihilferegeln in die deutsche Richtlinie. Betroffen sind unter anderem CO₂-Faktor und mögliche neue Gegenleistungen für Speicher und Flexibilität. Planungen sollten daher mit den aktuellen Sätzen arbeiten und nach Veröffentlichung der 2026er Werte aktualisiert werden.

Welche Unternehmen sind berechtigt?

Entscheidend ist, ob in einer Anlage in Deutschland ein Produkt hergestellt wird, das auf der maßgeblichen Sektorenliste steht. Ein Unternehmen kann deshalb mit einem Produktionsbereich berechtigt sein und mit einem anderen nicht. Ein reiner Abgleich des WZ-Codes reicht meist nicht.

Bisherige Sektoren · 80 %

Unter anderem Stahl, Aluminium, Kupfer, weitere NE-Metalle, Eisengießereien, Holz- und Zellstoff, Papier, anorganische Grundstoffe und Mineralölerzeugnisse.

Neue Sektoren · 75 %

Unter anderem organische Grundstoffe, Kunststoffe in Primärformen, Düngemittel, Glas, Keramik, Batterien, Holzwerkstoffplatten, Blankstahl, kaltgezogener Draht und Mineralwolle.

Die SPK-Liste ist nicht mit der KUEBLL-Liste identisch. Der Industriestrompreis knüpft an die breitere KUEBLL-Teilliste 1 an. Zudem gibt es bei der SPK seit 2023 keine Mindestverbrauchsmenge mehr. Ob sich ein Antrag lohnt, hängt damit stärker vom erwarteten Vorteil und vom Prüfaufwand ab.

Wie wird die Strompreiskompensation berechnet?

Die SPK ist kein Prozentsatz der Stromrechnung. Sie bildet die indirekten CO₂-Kosten modellhaft ab. Existiert ein Produktbenchmark, zählen Produktionsmenge und Effizienzmaßstab. Ohne Produktbenchmark wird eine Fallback-Methode auf den förderfähigen Stromverbrauch angewendet.

Mit Produktbenchmark

Beihilfeintensität × CO₂-Faktor × CO₂-Preis × Benchmark × Produktionsmenge

Fallback-Methode

Beihilfeintensität × CO₂-Faktor × CO₂-Preis × Fallback-Faktor × Stromverbrauch

Mit den Werten für 2025 ergibt die Fallback-Methode zur Einordnung rund 30,40 Euro je MWh für bisherige und rund 28,50 Euro je MWh für neue Sektoren. Diese Werte sind keine Zusage für 2026: Die DEHSt muss die maßgeblichen Parameter veröffentlichen.

Welche Voraussetzungen und Gegenleistungen gelten?

1. Zertifiziertes Managementsystem

Erforderlich ist ein gültiges Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder eine EMAS-Registrierung. Ein Energieaudit genügt nicht. Für neu aufgenommene Sektoren gibt es eine Übergangsregelung zur Einführung bis 31. Dezember 2027.

2. Jährlich gewählte Gegenleistung

Unternehmen können wirtschaftliche Effizienzmaßnahmen aus dem Maßnahmenplan umsetzen oder mindestens 30 Prozent ihres deutschen Strombedarfs aus nicht geförderten erneuerbaren Energien decken. Für viele Mittelständler ist die Effizienzvariante naheliegend, weil die Maßnahmen zugleich laufende Kosten senken.

3. Geprüfte Antragsdaten

Ein Wirtschaftsprüfer bescheinigt die Angaben. Bei einer erwarteten Beihilfe bis 100.000 Euro ist eine geringere Prüftiefe vorgesehen. Messkonzept, Produktzuordnung und vollständige Belege bleiben dennoch entscheidend.

Strompreiskompensation und Industriestrompreis im Vergleich

MerkmalStrompreiskompensationIndustriestrompreis
BehördeDEHStBAFA
BezugsebeneAnlage und ProduktAbnahmestelle
BranchenlisteEU-Liste, 31 BranchenKUEBLL-Teilliste 1
SystempflichtISO 50001 oder EMASKeine Zugangsvoraussetzung
WirtschaftsprüferImmerAb 10 GWh beantragtem Verbrauch
LaufzeitAktuelle Richtlinie bis 2030Abrechnungsjahre 2026 bis 2028

Beide Instrumente dürfen genutzt werden, aber nicht für dieselbe Strommenge. Auch Investitionen dürfen nur einmal als Gegenleistung angerechnet werden. Damit wird die messtechnische Abgrenzung zur wirtschaftlichen Optimierungsaufgabe.

Beispielhafte Mengenaufteilung; die konkrete Zuordnung erfordert belastbare Messdaten.

Beispielrechnung: Drahtzieherei mit 15 GWh

Im Beispiel sind 11 GWh über Unterzähler der Herstellung von kaltgezogenem Draht zugeordnet. Die übrigen 4 GWh entfallen auf nicht SPK-fähige Weiterverarbeitung, Vertrieb und Verwaltung. Für die SPK werden mangels veröffentlichter Werte für 2026 die Parameter von 2025 verwendet.

GrößeNur IndustriestrompreisSPK + Industriestrompreis
SPK-Menge–11.000 MWh
SPK-Beihilfe–rund 313.200 €
ISP-Menge15.000 MWh4.000 MWh
ISP-Basisbeihilfe280.800 €74.880 €
Entlastung gesamt280.800 €rund 388.100 €
ISP-Mindestinvestition140.400 €37.440 €

Die Kombination bringt in dieser Modellrechnung rund 107.000 Euro mehr. Dem stehen Zertifizierungs- und Prüfungskosten sowie die Gegenleistungen gegenüber. Fehlen Messwerte, sind nur vorsichtige Schätzungen zulässig; der Ansatz kann dadurch niedriger ausfallen.

Die Fristen zwingen zu einer frühen Entscheidung

Die SPK-Frist für das Abrechnungsjahr 2026 endet zwischen 31. Mai und 30. September 2027. Den genauen Termin gibt die DEHSt bekannt. Bei paralleler SPK verlängert sich die Frist für den Industriestrompreis auf 15. Juli 2027 – dann müssen die betreffenden Mengen bereits ausgewiesen sein.

Fristenübersicht nach Informationsstand Oktober 2026; der genaue SPK-Termin bleibt abzuwarten.

Das Messkonzept entscheidet damit über die förderfähige Menge. Unterzähler je Anlage, dokumentierte Zuordnungen und saubere Lastgangdaten bilden die Grundlage. Wer erst 2027 nachrüstet, muss für 2026 möglicherweise mit Abschlägen schätzen.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

  1. 1

    Berechtigung prüfen

    Welche Produkte stehen auf der SPK-Liste, welche Abnahmestellen auf der KUEBLL-Liste? Bei der SPK zählt die Produktebene.

  2. 2

    Strommengen messen

    Netzbezug, Eigenerzeugung, Weiterleitung sowie SPK-fähige und übrige Produktion getrennt erfassen.

  3. 3

    Beide Instrumente rechnen

    Für jede abgrenzbare Menge prüfen, welches Instrument nach Aufwand und Pflichten den höheren Vorteil bringt.

  4. 4

    Managementsystem und Gegenleistung klären

    Zertifikatsstatus prüfen und Maßnahmen so planen, dass sie eindeutig einem Instrument zugeordnet sind.

cleverwatt prüft auf Basis Ihrer Verbrauchs- und Produktionsdaten die Berechtigung, baut ein Strommengenmodell auf und stellt beide Varianten gegenüber. Anschließend können Antrag, Zertifizierung und wirtschaftlich sinnvolle Gegenleistungen gemeinsam vorbereitet werden.

Fazit

Die Strompreiskompensation ist seit 2025 für deutlich mehr Unternehmen erreichbar. Mit 31 Branchen, höheren Sätzen und der Einbeziehung bestimmter Medien aus Industrieparks lohnt sich die Prüfung auch für Mittelständler, die das Instrument bisher nicht berücksichtigt haben.

Wer zusätzlich den Industriestrompreis nutzen kann, muss eine Mengenentscheidung treffen. Anlagenscharfe Messung und eine frühe gemeinsame Rechnung schaffen die Grundlage. Wer erst 2027 beginnt, entscheidet unter Zeitdruck und möglicherweise auf Basis gekürzter Schätzwerte.

Häufige Fragen zur Strompreiskompensation

Unternehmen, die in einer Anlage in Deutschland Produkte herstellen, die auf der EU-Liste der berechtigten Sektoren stehen. Seit 2025 sind es 31 Branchen. Entscheidend sind das konkrete Produkt und die Anlage, nicht allein der WZ-Code des Unternehmens.

Welche Entlastung passt zu Ihren Strommengen?

Wir prüfen Ihre Produkte, Strommengen und Nachweise und vergleichen Strompreiskompensation und Industriestrompreis auf einer belastbaren Datenbasis.

Kostenfreie Erstprüfung anfragen

Kontakt

Sprechen Sie uns an.

Schildern Sie uns kurz Ihre Situation.  Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden bei Ihnen.

Alexander Heisele, Geschäftsführer, cleverwatt

Alexander Heisele

Geschäftsführer, cleverwatt