Einleitung
Ein Drahthersteller mit 15 GWh Jahresverbrauch hat bisher nur den Industriestrompreis eingeplant. Für 2026 rechnet er mit rund 280.800 Euro Basisentlastung. Übersehen hat er: Kaltgezogener Draht zählt seit 2025 zu den Sektoren der Strompreiskompensation.
Lassen sich 11 der 15 GWh messtechnisch sauber der Drahtherstellung zuordnen, kann er für diese Menge SPK beantragen. Die übrigen 4 GWh bleiben beim Industriestrompreis, sofern dessen Bedingungen erfüllt sind. Mit den hier verwendeten, ausdrücklich vorläufigen SPK-Parametern liegt die kombinierte Entlastung bei rund 388.100 Euro.
Was gleicht die Strompreiskompensation aus?
Kraftwerke zahlen im EU-Emissionshandel für jede Tonne CO₂. Diese Kosten wirken sich auf den Strompreis aus. Weil Wettbewerber außerhalb der EU sie häufig nicht tragen, erstattet die SPK stromintensiven Betrieben einen Teil der indirekten CO₂-Kosten.
Zuständig ist die Deutsche Emissionshandelsstelle. Die aktuelle Richtlinie gilt für die Abrechnungsjahre 2025 bis 2030. Gefördert werden nicht pauschal Standorte oder Unternehmen, sondern Anlagen und die dort hergestellten förderfähigen Produkte.
| Begriff | Gemeint ist | Stand Oktober 2026 |
|---|---|---|
| SPK für 2025 | Strom und Produktion 2025, Antrag 2026 | Frist am 17.08.2026 abgelaufen |
| SPK für 2026 | Strom und Produktion 2026, Antrag 2027 | Frist zwischen 31.05. und 30.09.2027 |
Was ist neu und was ist für 2026 noch offen?
- Mehr Branchen: Statt 11 sind nun 31 Branchen sowie einzelne Teilbereiche weiterer Branchen berechtigt.
- Höhere Sätze: Nach aktuellem Stand erhalten bisherige Sektoren 80 Prozent, neue Sektoren 75 Prozent.
- Medien aus Industrieparks: Auch Strom für gelieferte Druckluft, Dampf, Wärme, Kälte, Wasser oder Industriegase kann unter Bedingungen einbezogen werden.
- Übergang für neue Sektoren: Das Energie- oder Umweltmanagementsystem kann unter den Richtlinienvoraussetzungen bis Ende 2027 eingeführt werden.
Offen bleibt die Übertragung der Anfang 2026 geänderten EU-Beihilferegeln in die deutsche Richtlinie. Betroffen sind unter anderem CO₂-Faktor und mögliche neue Gegenleistungen für Speicher und Flexibilität. Planungen sollten daher mit den aktuellen Sätzen arbeiten und nach Veröffentlichung der 2026er Werte aktualisiert werden.
Welche Unternehmen sind berechtigt?
Entscheidend ist, ob in einer Anlage in Deutschland ein Produkt hergestellt wird, das auf der maßgeblichen Sektorenliste steht. Ein Unternehmen kann deshalb mit einem Produktionsbereich berechtigt sein und mit einem anderen nicht. Ein reiner Abgleich des WZ-Codes reicht meist nicht.
Bisherige Sektoren · 80 %
Unter anderem Stahl, Aluminium, Kupfer, weitere NE-Metalle, Eisengießereien, Holz- und Zellstoff, Papier, anorganische Grundstoffe und Mineralölerzeugnisse.
Neue Sektoren · 75 %
Unter anderem organische Grundstoffe, Kunststoffe in Primärformen, Düngemittel, Glas, Keramik, Batterien, Holzwerkstoffplatten, Blankstahl, kaltgezogener Draht und Mineralwolle.
Die SPK-Liste ist nicht mit der KUEBLL-Liste identisch. Der Industriestrompreis knüpft an die breitere KUEBLL-Teilliste 1 an. Zudem gibt es bei der SPK seit 2023 keine Mindestverbrauchsmenge mehr. Ob sich ein Antrag lohnt, hängt damit stärker vom erwarteten Vorteil und vom Prüfaufwand ab.
Wie wird die Strompreiskompensation berechnet?
Die SPK ist kein Prozentsatz der Stromrechnung. Sie bildet die indirekten CO₂-Kosten modellhaft ab. Existiert ein Produktbenchmark, zählen Produktionsmenge und Effizienzmaßstab. Ohne Produktbenchmark wird eine Fallback-Methode auf den förderfähigen Stromverbrauch angewendet.
Mit Produktbenchmark
Beihilfeintensität × CO₂-Faktor × CO₂-Preis × Benchmark × Produktionsmenge
Fallback-Methode
Beihilfeintensität × CO₂-Faktor × CO₂-Preis × Fallback-Faktor × Stromverbrauch
Mit den Werten für 2025 ergibt die Fallback-Methode zur Einordnung rund 30,40 Euro je MWh für bisherige und rund 28,50 Euro je MWh für neue Sektoren. Diese Werte sind keine Zusage für 2026: Die DEHSt muss die maßgeblichen Parameter veröffentlichen.
Welche Voraussetzungen und Gegenleistungen gelten?
1. Zertifiziertes Managementsystem
Erforderlich ist ein gültiges Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder eine EMAS-Registrierung. Ein Energieaudit genügt nicht. Für neu aufgenommene Sektoren gibt es eine Übergangsregelung zur Einführung bis 31. Dezember 2027.
2. Jährlich gewählte Gegenleistung
Unternehmen können wirtschaftliche Effizienzmaßnahmen aus dem Maßnahmenplan umsetzen oder mindestens 30 Prozent ihres deutschen Strombedarfs aus nicht geförderten erneuerbaren Energien decken. Für viele Mittelständler ist die Effizienzvariante naheliegend, weil die Maßnahmen zugleich laufende Kosten senken.
3. Geprüfte Antragsdaten
Ein Wirtschaftsprüfer bescheinigt die Angaben. Bei einer erwarteten Beihilfe bis 100.000 Euro ist eine geringere Prüftiefe vorgesehen. Messkonzept, Produktzuordnung und vollständige Belege bleiben dennoch entscheidend.
Strompreiskompensation und Industriestrompreis im Vergleich
| Merkmal | Strompreiskompensation | Industriestrompreis |
|---|---|---|
| Behörde | DEHSt | BAFA |
| Bezugsebene | Anlage und Produkt | Abnahmestelle |
| Branchenliste | EU-Liste, 31 Branchen | KUEBLL-Teilliste 1 |
| Systempflicht | ISO 50001 oder EMAS | Keine Zugangsvoraussetzung |
| Wirtschaftsprüfer | Immer | Ab 10 GWh beantragtem Verbrauch |
| Laufzeit | Aktuelle Richtlinie bis 2030 | Abrechnungsjahre 2026 bis 2028 |
Beide Instrumente dürfen genutzt werden, aber nicht für dieselbe Strommenge. Auch Investitionen dürfen nur einmal als Gegenleistung angerechnet werden. Damit wird die messtechnische Abgrenzung zur wirtschaftlichen Optimierungsaufgabe.
Strommengen trennen
Eine Megawattstunde, ein Instrument
SPK-fähige Produktion
11 GWh
Messtechnisch der Herstellung von kaltgezogenem Draht zugeordnet.
Strompreiskompensation
Übriger Verbrauch
4 GWh
Weiterverarbeitung, Vertrieb und Verwaltung außerhalb der SPK.
Industriestrompreis
Keine Doppelförderung: Dieselbe Strommenge darf im selben Jahr nicht in beiden Anträgen enthalten sein.
Beispielrechnung: Drahtzieherei mit 15 GWh
Im Beispiel sind 11 GWh über Unterzähler der Herstellung von kaltgezogenem Draht zugeordnet. Die übrigen 4 GWh entfallen auf nicht SPK-fähige Weiterverarbeitung, Vertrieb und Verwaltung. Für die SPK werden mangels veröffentlichter Werte für 2026 die Parameter von 2025 verwendet.
| Größe | Nur Industriestrompreis | SPK + Industriestrompreis |
|---|---|---|
| SPK-Menge | – | 11.000 MWh |
| SPK-Beihilfe | – | rund 313.200 € |
| ISP-Menge | 15.000 MWh | 4.000 MWh |
| ISP-Basisbeihilfe | 280.800 € | 74.880 € |
| Entlastung gesamt | 280.800 € | rund 388.100 € |
| ISP-Mindestinvestition | 140.400 € | 37.440 € |
Die Kombination bringt in dieser Modellrechnung rund 107.000 Euro mehr. Dem stehen Zertifizierungs- und Prüfungskosten sowie die Gegenleistungen gegenüber. Fehlen Messwerte, sind nur vorsichtige Schätzungen zulässig; der Ansatz kann dadurch niedriger ausfallen.
Die Fristen zwingen zu einer frühen Entscheidung
Die SPK-Frist für das Abrechnungsjahr 2026 endet zwischen 31. Mai und 30. September 2027. Den genauen Termin gibt die DEHSt bekannt. Bei paralleler SPK verlängert sich die Frist für den Industriestrompreis auf 15. Juli 2027 – dann müssen die betreffenden Mengen bereits ausgewiesen sein.
Abrechnungsjahr 2026
Die Entscheidung beginnt vor dem Antrag
2026
Daten entstehen
Verbrauch, Produktion, Unterzähler und Managementsystem laufend dokumentieren.
Frühjahr 2027
Mengen aufteilen
SPK-fähige und übrige Strommengen belastbar voneinander abgrenzen.
15. Juli 2027
ISP bei paralleler SPK
Im Antrag auf Industriestrompreis müssen die SPK-Mengen bereits ausgewiesen sein.
31. Mai–30. Sept. 2027
SPK-Antrag
Den genauen Ausschlusstermin für 2026 gibt die DEHSt noch bekannt.
Das Messkonzept entscheidet damit über die förderfähige Menge. Unterzähler je Anlage, dokumentierte Zuordnungen und saubere Lastgangdaten bilden die Grundlage. Wer erst 2027 nachrüstet, muss für 2026 möglicherweise mit Abschlägen schätzen.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
- 1
Berechtigung prüfen
Welche Produkte stehen auf der SPK-Liste, welche Abnahmestellen auf der KUEBLL-Liste? Bei der SPK zählt die Produktebene.
- 2
Strommengen messen
Netzbezug, Eigenerzeugung, Weiterleitung sowie SPK-fähige und übrige Produktion getrennt erfassen.
- 3
Beide Instrumente rechnen
Für jede abgrenzbare Menge prüfen, welches Instrument nach Aufwand und Pflichten den höheren Vorteil bringt.
- 4
Managementsystem und Gegenleistung klären
Zertifikatsstatus prüfen und Maßnahmen so planen, dass sie eindeutig einem Instrument zugeordnet sind.
cleverwatt prüft auf Basis Ihrer Verbrauchs- und Produktionsdaten die Berechtigung, baut ein Strommengenmodell auf und stellt beide Varianten gegenüber. Anschließend können Antrag, Zertifizierung und wirtschaftlich sinnvolle Gegenleistungen gemeinsam vorbereitet werden.
Fazit
Die Strompreiskompensation ist seit 2025 für deutlich mehr Unternehmen erreichbar. Mit 31 Branchen, höheren Sätzen und der Einbeziehung bestimmter Medien aus Industrieparks lohnt sich die Prüfung auch für Mittelständler, die das Instrument bisher nicht berücksichtigt haben.
Wer zusätzlich den Industriestrompreis nutzen kann, muss eine Mengenentscheidung treffen. Anlagenscharfe Messung und eine frühe gemeinsame Rechnung schaffen die Grundlage. Wer erst 2027 beginnt, entscheidet unter Zeitdruck und möglicherweise auf Basis gekürzter Schätzwerte.
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