Energie-Lexikon
Fachbegriffe rund um Lastmanagement, Netzentgelte, Strombeschaffung und Flexibilität — verständlich erklärt für Entscheider in Industrie und Mittelstand.
Lastmanagement & EMS
Lastmanagement
Lastmanagement ist die gezielte Steuerung des Stromverbrauchs im Unternehmen, um Lastspitzen zu vermeiden, Netzentgelte zu senken und vorhandene Flexibilität wirtschaftlich zu nutzen.
Lastspitzenkappung (Peak Shaving)
Lastspitzenkappung — international Peak Shaving — bezeichnet das gezielte Absenken kurzzeitiger Leistungsspitzen am Netzanschluss, um den Leistungspreis im Netzentgelt zu reduzieren.
Lastgang
Der Lastgang ist die zeitliche Aufzeichnung des Stromverbrauchs eines Unternehmens in 15-Minuten-Intervallen über einen längeren Zeitraum.
Lastspitze
Eine Lastspitze ist die höchste viertelstündlich gemessene Leistung am Netzanschluss innerhalb eines Abrechnungszeitraums — und damit der Bezugspunkt für den Leistungspreis.
Energiemanagementsystem (EMS)
Ein Energiemanagementsystem (EMS) misst, analysiert und steuert den Energieverbrauch eines Unternehmens — mit dem Ziel, Kosten zu senken, Emissionen zu reduzieren und gesetzliche Anforderungen wie ISO 50001 zu erfüllen.
Demand Side Management (DSM)
Demand Side Management bezeichnet die gezielte Beeinflussung der Stromnachfrage von Verbrauchern, um Netzstabilität, Marktpreise und Eigenverbrauch zu optimieren.
Registrierende Leistungsmessung (RLM)
Die registrierende Leistungsmessung (RLM) erfasst den Stromverbrauch viertelstündlich und ist Pflicht für Unternehmen mit mehr als 100.000 kWh Jahresverbrauch oder über 100 kW Bezugsleistung.
ISO 50001
Die ISO 50001 ist die internationale Norm für Energiemanagementsysteme und fordert von Unternehmen einen systematischen, kontinuierlichen Verbesserungsprozess der Energieleistung.
Netzentgelte & Regulatorik
Netzentgelte
Netzentgelte sind die Entgelte für die Nutzung des Stromnetzes. Sie bestehen meist aus Arbeits- und Leistungspreis, dazu kommen Entgelte für Messung und Messstellenbetrieb sowie weitere Umlagen.
Atypische Netznutzung
Atypische Netznutzung nach § 19 Abs. 2 Satz 1 StromNEV ermöglicht ein reduziertes Netzentgelt, wenn ein Verbraucher seine Höchstlast vorhersehbar außerhalb der Hochlastzeitfenster des Netzbetreibers bezieht.
Leistungspreis
Der Leistungspreis ist der Teil des Netzentgelts, der mit der höchsten Viertelstundenleistung des Jahres multipliziert wird — und damit der größte Hebel zur Netzentgeltreduktion bei RLM-Kunden.
Arbeitspreis
Der Arbeitspreis ist der verbrauchsabhängige Bestandteil von Strom- und Netzentgelt-Tarifen — gemessen in Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh).
Individuelle Netzentgelte (§ 19 Abs. 2 Satz 2 StromNEV)
Individuelle Netzentgelte nach § 19 Abs. 2 Satz 2 StromNEV reduzieren das Netzentgelt für Großverbraucher mit besonders gleichmäßigem Stromverbrauch — bis zu 90 % auf den regulären Tarif.
Benutzungsdauer (Benutzungsstunden)
Die Benutzungsdauer ist eine Kennzahl, die angibt, wie gleichmäßig ein Verbraucher seine Bezugsleistung im Jahr ausnutzt — berechnet als Jahresverbrauch geteilt durch Jahreshöchstlast.
Baukostenzuschuss (BKZ)
Der Baukostenzuschuss ist eine einmalige Zahlung an den Netzbetreiber, wenn ein Verbraucher seine Anschlussleistung erhöht oder einen neuen Netzanschluss benötigt.
Konzessionsabgabe
Die Konzessionsabgabe ist eine Gebühr, die Energieversorger an die Kommune zahlen — für das Recht, deren öffentlichen Verkehrsraum für Leitungen zu nutzen. Sie wird auf den Strompreis umgelegt.
§ 14a EnWG (steuerbare Verbrauchseinrichtungen)
§ 14a EnWG verpflichtet Betreiber steuerbarer Verbrauchseinrichtungen (Wärmepumpen, Wallboxen, Speicher) zur Netzdienlichkeit — im Gegenzug für reduzierte Netzentgelte.
Redispatch 2.0
Redispatch ist die Notmaßnahme der Netzbetreiber, kraftwerksseitig die Einspeisung anzupassen, wenn das Stromnetz lokal überlastet ist — seit 2021 unter Redispatch 2.0 auch für EE-Anlagen ab 100 kW.
Strombeschaffung & Märkte
Spotmarkt / Day-Ahead-Markt
Der Day-Ahead-Markt ist der zentrale europäische Strombörsenmarkt, an dem Strom für den Folgetag in Stundenblöcken gehandelt wird. Die Preise bilden die Referenz für dynamische Stromtarife.
Intraday-Markt
Der Intraday-Markt ist der kurzfristige Strombörsenmarkt, an dem Strom kontinuierlich bis 5 Minuten vor physischer Lieferung in Viertelstunden-Blöcken gehandelt wird.
Direktvermarktung
Direktvermarktung bezeichnet den Verkauf von Strom aus erneuerbaren Energien direkt am Strommarkt — anstelle der festen EEG-Einspeisevergütung.
Power Purchase Agreement (PPA)
Ein PPA ist ein langfristiger bilateraler Stromliefervertrag zwischen Stromerzeuger und Abnehmer — meist über 5 bis 20 Jahre und außerhalb der staatlichen Förderung.
Regelenergie
Regelenergie ist die kurzfristige Energiereserve, die Übertragungsnetzbetreiber nutzen, um Frequenzabweichungen im Stromnetz auszugleichen — vermarktbar durch Industrie, Speicher und Aggregatoren.
Dynamische Stromtarife
Dynamische Stromtarife geben die stündlichen Börsenpreise des Day-Ahead-Marktes direkt an den Endkunden weiter — wer Lasten zeitlich verschiebt, kann erheblich sparen.
Flexibilität, Speicher & Eigenverbrauch
Gewerbespeicher (Batteriespeicher)
Ein Gewerbespeicher ist ein stationärer Batteriespeicher für Industrie und Gewerbe — typisch von 30 kWh bis in den MWh-Bereich. Er kappt Lastspitzen, erhöht den PV-Eigenverbrauch und kann Flexibilität vermarkten.
Eigenverbrauch
Eigenverbrauch ist der Anteil selbst erzeugten Stroms (PV, BHKW, Wind), den ein Unternehmen direkt vor Ort verbraucht — ohne Netzdurchleitung und ohne Netzentgelt.
PV-Eigenverbrauchsoptimierung
PV-Eigenverbrauchsoptimierung bezeichnet die intelligente Steuerung von Verbrauch und Speicher, um möglichst viel selbst erzeugten Solarstrom direkt am Standort zu nutzen.
Flexibilität
Flexibilität bezeichnet die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen Stromverbrauch oder seine Erzeugung gezielt zeitlich anzupassen — die zentrale Ressource der Energiewende.
Virtuelles Kraftwerk (VPP)
Ein virtuelles Kraftwerk bündelt viele dezentrale Erzeuger, Speicher und flexible Verbraucher zu einem koordinierten Verbund, der als ein Marktteilnehmer am Strommarkt agiert.
Smart Meter (intelligentes Messsystem)
Ein intelligentes Messsystem (iMSys) besteht aus einer modernen Messeinrichtung und einem Smart-Meter-Gateway. Es erfasst Verbrauchswerte viertelstündlich und übermittelt sie verschlüsselt an berechtigte Marktteilnehmer.
Lademanagement
Lademanagement koordiniert mehrere Ladepunkte für E-Fahrzeuge so, dass die verfügbare Anschlussleistung optimal genutzt und teure Netzausbauten vermieden werden.
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